Bombenangriff 30.01.1943

Die Bombennacht in Jesteburg

Zur Erinnerung an die 50. Wiederkehr des Kriegsendes

Der 30. Januar 1943: 10. Jahrestag der Machtübernahme Hitlers und der Nationalsozialisten in Deutschland. Die Nacht ist frostig-kalt (-2 bis -3° C), mondhell und schneefrei. Viele Bürger sitzen vor dem Radio und hören sich die Rede des Ministers für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Joseph Goebbels, an, die in der Stunde nach Mitternacht vom Reichssender Berlin übertragen wird.

Zwischen 0:10 Uhr und 0:30 Uhr werden die Bürger durch ein tiefes, anhaltendes Flugzeugbrummen aufgescheucht. Die Engländer fliegen einen Angriff auf Jesteburg, ltzenbüttel und Umgebung!

Bisher hatte man den Luftkrieg noch nicht unmittelbar erlebt. Kurz nach Mitternacht fallen die ersten Brandbomben auf Ortsteile von Jesteburg und ltzenbüttel. Abgeworfen von englischen Bombern des Typs „Vickers Wellington“.

Nach der Erinnerung der Einwohner waren es viele tausend Stabbrandbomben. Wie gesät lagen sie auf Straßen, Weiden und in Gärten, „wie Tannenbäume“ brennend, Funken sprühend und auch als Blindgänger. Sie durchschlugen Dächer und Zimmerdecken und setzten ihre Umgebung in Brand.

Von insgesamt 32 brennenden Gebäuden wurden sieben in Jesteburg und drei in Itzenbüttel total vernichtet. Lüllau blieb in dieser Nacht verschont.

Während viele Einwohner wie gelähmt dieses furchtbare Geschehen verfolgten, gab es auch mutige und beherzte Frauen und Männer, die durch unerschrockenes Handeln und unter Lebensgefahr ihr Hab und Gut sowie das ihrer Nachbarn vor der Vernichtung bewahrten.

Sie warfen sprühende Brandbomben aus den Häusern auf die Straße und holten Vieh aus brennenden Ställen, in die sich wegen der glühenden Hitze kein anderer traute. Andere liefen zum Teich auf Peter Uhlens Grundstück (Brückenstraße 10) und halfen, die große Handspritze der Feuerwehr zu bedienen. Die seitlichen Holme der Pumpe mussten von mehreren Personen auf- und abbewegt werden, um das Löschwasser anzusaugen und in die Schläuche zu drücken.

Vor allem musste die brennende Molkerei Froede (Lüllauer Straße 15) gelöscht werden, die für die Milchversorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung war.

Der Moorweg glich durch die sprühenden Bomben einer Lichterkette. Viele Jesteburger erinnern sich, dass die Engländer diesen Angriff als Fackelzug zum zehnjährigen Bestehen des Naziregimes darstellen wollten. Das hatten sie auf Flugblättern angekündigt. Eine makabre Wiederholung des 30. Januar 1933.

In Jesteburg waren auch die Bahlburgschen Gebäude, die Wohnhäuser von Froede, Frisör Baden, Sinnen und die Zehntscheune stark gefährdet. In der Nacht waren auch die Wehren aus den Nachbardörfern, z. B. Hanstedt unter Ortsbrandmeister war Franz Behr, zu Hilfe gekommen. Auch die Bahlburgsche Nagelkammer brannte ab.

In Itzenbüttel kann es Brandbombennacht heißen, denn Luftminen oder Sprengbomben sind in dieser Nacht nicht gefallen. Das Haus von Otto Müller, „Schulzen“-Haus (Foto links), Nr. 9, und die Scheunen von Otto Riekmann, Nr. 14 (heute Werner Weselmann) und Heinrich Volger, Nr. 6 wurden total vernichtet. Außerdem entstanden mehrere Brände, die in Selbsthilfe gelöscht werden konnten, z.B. bei Hestermanns, Nr. 15.

Gegen Morgengrauen erschien der Kreisvolkssturmführer Soetebier aus Scharmbeck. Er nahm den Schaden auf und regelte die Notunterkünfte der Obdachlosen. Anna und Willi Cohrs kamen bei Clements unter.

Bald nach dem Luftangriff wurden die entstandenen Schäden von dem Jesteburger Bauunternehmen und Sägewerk Wilhelm H. Bahlburg oder, so gut es ging, in selbstloser Nachbarschaftshilfe oder Selbsthilfe behoben. Alle Häuser wurden wieder aufgebaut, nur Victor Lüllaus direkt an der Straße stehendes Strohdachhaus nicht. Obwohl das Material bereits im Sommer 1943 besorgt worden war, herrschte nach den schweren Bombenangriffen auf Hamburg (Ende Juli 1943) ein generelles Bauverbot.

Das Haus von Otto Müller (Schulzen-Haus) wurde bis zum Herbst 1943 wieder hergestellt So lange waren die Bewohner bei Nachbarn untergebracht. 

Nach diesem ersten Bombenangriff, bei dem auch Luftminen außerhalb des Wohngebietes fielen, hat der örtliche Luftschutzwart Hermann Bostelmann die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen genauestens überwacht:

  • Strikte Beachtung des absoluten Verdunkelungsgebotes
  • Bereitstellung von
    • Eimern mit Wasser,
    • Behältern mit Löschsand,
    • Luftschutzspritzen,
    • Feuerpatschen, Schaufeln und Äxten,
    • Lederhandschuhen und
    • Volksgasmasken. Die Gasmasken wurden im alten Feuerwehrhaus auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft.

Jedes Grundstück musste außerdem einen Schutzraum nachweisen, der entweder ein abgestützter Keller oder ein Splitterschutzgraben auf dem Hof oder im Garten sein konnte.

Ein halbes Jahr später, am 28.7.1943, fiel doch eine Bombe in Itzenbüttel (Reindorfer Osterberg). Das Wohnhaus von Heinrich Viehmann wurde getroffen und drei Menschen getötet: die Ehefrau und zwei Kinder. Der Vater Heinrich Viehmann hat überlebt, ist später nach Quarrendorf gezogen und dort gestorben.

Neben den Zeitzeugenberichten erhielt der Arbeitskreis für Heimatpflege vom damaligen Ortsbrandmeister in Jesteburg, Walter Lankisch, den offiziellen Bericht von 1943 aus dem Einsatzbuch der Freiwilligen Feuerwehr Jesteburg. Die Feuerwehr bestand damals nur aus elf einsatzfähigen Männern. Sie bildeten „Bereitschaft für Hamburg und Harburg“. Alle anderen Männer waren eingezogen. Dieser kleinen Mannschaft war es aber unmöglich, alle Brände im Ort zu löschen. Ähnlich wie in Buchholz musste die Feuerwehr, den Bränden hilflos zuzusehen und sich – auch in Anbetracht der sehr einfachen Geräte – darauf beschränken, die Nachbargebäude zu schützen.

Feindlicher Fliegerangriff auf Jesteburg

Durch Brandbomben sind folgende Gebäude in Brand geraten und vernichtet. Das Wohnhaus von Wilhelm Cohrs Jesteburg 29 (Anmerkung: heute Niedersachsenplatz 1), desgleichen die Stallungen. Das Wohnhaus von Victor Lüllau Jesteburg 8 (Anmerkung: ungefähr an der Einmündung Hauptstraße/Sandbarg). Die Scheune von Wilhelm Sinnen Jesteburg 36 (Anmerkung: heute Niedersachsenplatz 1). Bis auf die Umfassungsmauern brannten nieder, das Wohnhaus von Heinrich Vick Jesteburg 2. Die Molkerei von Max Froede Jesteburg, das Wohnhaus von Hermann Menk Jesteburg 90, und das Wohnhaus von F. W. Reinke (Wohnung Günther Preuß). 23 Personen wurden obdachlos. Weitere 28 Gebäude erhielten Brandbombentreffer. Diese Brände wurden durch Selbsthilfe gelöscht. In der näheren Umgebung fielen insgesamt 5 Luftminen. Durch den enormen Luftdruck wurden zahlreiche Häuser stark beschädigt. Personen wurden nicht verletzt.

Karte: (c) google-maps. Texte in dunkelgrün wurden von uns ergänzt. Sie zeigen die Lage der damaligen Gebäude.

Abwurfstellen der fünf Luftminen:

  • Eine Mine explodierte rechts neben der Straße im Wald gegenüber der von Baumstreifen begrenzten Wiese am Lohof. Horst Lukas, Jesteburger Chaussee 71a, ist als Junge dorthin gegangen und hat die beschädigten Bäume als Brennholz geholt, so machten es alle anderen auch. Zu Hause wurden die Sägen immer schnell stumpf, wenn die Säge auf Bombensplitter stieß, mit denen die Baumstämme voll waren.
  • Eine zweite Mine fiel in der Nähe der Fuchsfarm am Schierhorner Weg.
  • Eine dritte Mine fiel am Royberg im Wald von Peter Uhlen.
  • Eine vierte Mine fiel beim Landheim Salem und
  • Eine fünfte Mine fiel hinter dem Rüsselkäfer im Klecker Wald.

Vier Flugzeugabsturzstellen sind bekannt:

  • Ein englischer Wellington-Bomber am 28.03.1942 am Preußischen Hut im Klecker Wald, vier Tote, einer von ihnen hing in fünf Metern Höhe, sein Fallschirm hatte sich an der Astgabel einer Buche verfangen.
  • Eine deutsche Ju 88 am 17.04.1945 um 8 Uhr im Eckeler Bauernforst, zwei Tote.
  • Ein amerikanisches Flugzeug am Klecker Weg in Reindorf.
  • Ein Bomber „Fliegende Festung“ im Asendorfer Moor auf der Wiese von Gatte. Dieser lag, wie Horst Lukas gesehen hat, auf der Seite, so dass ein großes Rad sichtbar war. Der Reifen war geplatzt und der Schlauch guckte heraus. Horst Lukas hat sich aus diesem Schlauch ein großes Stück herausgeschnitten. Das Gummi hat er sich unter seine Holzpantoffeln genagelt, damit sie länger hielten. Außerdem haben die Jungen Schokolade gefunden. Zwei Männer mit Jagdflinten haben das Flugzeug bewacht. Ein Mann der Besatzung soll ein Farbiger gewesen sein.

Am Buchholzer Feldweg und zwischen Ramelsloh und Marxen gab es Flakstellungen.

Ein Scheinflughafen befand sich wie in Helmstorf südlich von Schierhom, erzählte Anneliese Sander, Tochter des damaligen Bürgermeisters Hartig in Schierhom.

In der Schuttkuhle beim Hof Asgard kam ein Mädchen später beim Spielen mit Munition zu Tode.

Berichte einzelner Zeitzeugen

- Jesteburg

  • Hans Clement (Hauptstraße 41) war Soldat und in dieser Nacht gerade auf Urlaub aus Frankreich. Als die ersten Brandbomben fielen, lief er, der Gefreite, im Trainingsanzug und mit Stahlhelm zum Spitzenhaus, wohin auch der dreizehnjährige Pimpf Günther Peters (Hauptstraße 60) gerast war. Als sie die Tür öffnen wollten, fiel eine Luftmine, wahrscheinlich am Royberg. Sie schmissen sich zu Boden, um nicht vom Luftdruck weggerissen zu werden. Adolf Lüllaus Mutter hatte weniger „Glück“. Sie saß beim Brand ihres Hauses draußen auf einem Holzbock und wurde vom Luftdruck der Mine heruntergeschleudert.
  • Gegen 1 Uhr, die Straßen waren menschenleer, holten Hans Clement und Günther Peters die Motorspritze aus dem Spritzenhaus und schleppten sie nach unten, um zuerst das Feuer im Krusenhus , Victor Lüllaus Haus, zu löschen.Da sich beide nicht so gut mit der Technik auskannten, waren sie froh, als Maler Otto Foht kam. Er brachte die Spritze schnell in Gang.
  • Else Bahlburg, ihre Schwiegereltern, Marianne Möhlmann mit den Kindern Hedi und Gerd, und Frau Wille, die bei Möhlmanns wohnte, befanden sich um Mitternacht hinten im Haus (Schützenstraße 5) im Keller. Er diente als provisorischer Luftschutzraum.
  • Rossmeier (Fuhrunternehmer Hermann Meyer) hatte seine Pferde vorgespannt und fuhr mit der alten, schweren Handspritze zu Peter Uhlens Teich, um die Molkerei Froede (Foto rechts) zu retten. Gemeinsam mit Else Bahlburg und Marianne Möhlmann und weiteren Frauen versuchten sie, die Molkerei zu retten. Leider gelang es nicht. Sie brannte vollständig ab und wurde erst nach dem Kriege wieder aufgebaut. Max Froede wurde nach dem Brand eingezogen.

  • Etwas oberhalb vom Krusenhus brannte bereits Sinnens Scheune. Beide Häuser konnten nicht gerettet werden.
  • August Behrens wohnte in der Zehntscheune. Eine Brandbombe war durch das Dach auf den Lehmboden gefallen und in Brand geraten. Er warf sie mit der Schaufel raus und verletzte sich dabei. Zahnarzt Adolf Rieken von der Verbandsstation leistete Hilfe. Auch Pastor Gustav Karl Hermann Twele befand sich unter den Helfern.
  • Anne Meyer, geb. Sinnen, wohnte im Haus (Niedersachsenplatz 1) und schlief schon. Sie wachte von einem starken brummenden Geräusch auf und bekam schreckliche Angst. Sie rannte zu ihrer Mutter nach draußen und sah, wie auf der Waldseite, wo heute das Heimathaus steht, die ersten Flammen aufloderten. „Der Anblick war für uns so faszinierend, dass wir nicht einmal merkten, dass auch unsere eigene Scheune brannte.“ Schicksalhaft ist die folgende Äußerung: „Meine Mutter hatte in jener Nacht übrigens einen Schutzengel, denn eine Brandbombe war durch den Dachstuhl und die Zimmerdecke direkt in ihr Bett gefallen und in der Matratze erstickt“.
  • Eine ähnliche Geschichte erzählte Ludwig Thiele (Harburger Straße 80): Im Hause Möricke (Sandbarg 9) hatte die große Familie viel Zucker gespart und in Tüten auf dem Boden gelagert. Eine Brandbombe hat die Dachpfannen und den Dachstuhl durchbrochen und ist direkt in die Zuckertüten gefallen und im Zucker erstickt.
  • Hermann Peters war 1943 Lehrling bei der Jesteburger Firma Bahlburg und wohnte in Asendorf. Er fuhr nachts mit dem Fahrrad nach Jesteburg. Ihm rannten Pferde und Kühe auf der Straße entgegen.
  • Anne Meyer und Erika Meyer berichteten, dass Wilhelm H. Bahlburg die Pferde bei seinem Nachbarn Bauer Heinrich Vick aus dem brennenden Haus gelassen hätte, als schon keiner mehr hinein wollte, denn der alte Vick sei durch den Brand völlig durcheinander gewesen.
  • Adolf Lüllau aus seinem brennenden Elternhaus die Kühe auch nur mit Mühe losbinden und herauskriegen können.
  • Günther Meyer (Niedersachsenplatz 1) erzählte auf dem Gesprächsabend des Arbeitskreises: Nach der Goebbels-Rede, seien noch viele Menschen aufgewesen. Es wäre gegen 1:30 Uhr gewesen, als die ersten Brandbomben fielen. Das starke Gebrumm ließe darauf schließen, dass mehrere Flugzeuge beteiligt gewesen wären. Die Flugzeuge könnten von der starken Luftabwehr über Hamburg abgetrieben worden sein. Um nicht mit voller Ladung nach England zurückkehren zu müssen, hatten sie noch vorher ihre Ladung auch auf den geringsten Lichtschein hin abgeworfen. Wenn der Wind anders gestanden hatte, wäre durch den Brand des Hauses von Heinrich Vick auch der ganze Stubbenhof abgebrannt. So brannte nur die Nagelkammer ab. Es wäre offensichtlich Ostwind gewesen. Es hätte viele Dachstuhlbrände gegeben. Auch in die Zehntscheune wäre eine Bombe gefallen. Sie hätte aber nicht gebrannt.
  • Bei dem Angriff auf Jesteburg sind nach Hans Clements Meinung mindestens fünf bis sechs Flugzeuge beteiligt gewesen. Sie flogen Jesteburg mehrmals sehr niedrig an, warfen zuerst Brandbomben und danach die Luftminen. Die Brandbomben fielen vom Sandbarg ausgehend, breit gestreut von der Zehntscheune bis zur Molkerei Froede, bis zum Moorweg, der übersät war von Brandbomben und wie von einem Fackelzug hell erleuchtet war. Der englische Fackelzug zum 10. Jahrestag von Hitlers Machtergreifung.
  • In Jesteburg haben Edith Wegner (Riedbahn 13) und Else Menck bei Fliegerangriffen Alarm geschlagen. Deshalb hatten sie das Telefon frei. Nach einer Liste gaben sie die Meldung an andere weiter. Verständigt wurden sie von Dr. Bruno Wendorff.
  • Günther Peters (Hauptstraße 60) erzählte, dass er im Mai 1944 als Hitlerjunge mit der Jesteburger Feuerwehr in Hamburg einen Brand gelöscht hätte. Der Kreisleiter des Landkreises Harburg, Riecke, hätte ihm dafür ein Buch geschenkt. Die Widmung lautete etwa: In Anerkennung deiner tapferen Haltung beim Terrorangriff englischer Flugzeuge. Auch Bürgermeister Karl Gößler hat Günther Peters mit einem Buch geehrt. Mit seinem Einsatz erfüllte der Pimpf schon frühzeitig die Forderung des Reichsministers des Innern, die freiwilligen Feuerwehren aus der Hitler-Jugend aufzufüllen, „eine Maßnahme, die der deutschen Jugend eine Gelegenheit zu weiterer Bewährung bot“. (HAN vom 01.02.1943)
  • Wiederholt ist es zu Tieffliegerangriffen gekommen. Die Züge fuhren mit 2-cm-Kanonen­Flakschutz. Ein Zug stand während eines Angriffs vor der Marxener Brücke und wurde beschossen. Die Lokomotive wurde getroffen. Den verletzten Lokführer, berichtete Günther Meyer, hat man im Handwagen zum Lazarett Buhr (Anmerkung: heute steht dort das „Penny“-Gebäude) gefahren. Einmal soll ein Zug gefahren sein und der Heizer hätte nachgeheizt. Der Lichtschein hätte sofort zu einem Angriff geführt. Schon 1942 hätten die Flugzeuge Staniol-Papierstreifen zur Ablenkung der Flak und sog. „Schwarze Pakete“ abgeworfen.
  • Anneliese Krüger hat auch 2-Markscheine, Edith Wegner beim Tannenzapfensammeln im Wald gefälschte Kleidermarken gefunden. Else Bahlburg hat am 02.03.1940 das Flugblatt WOLKIGER BEOBACHTER, 1. Jg. Nr. 7, DIN-A 4-Format, in Jesteburg gefunden, ihr Sohn Klaus Bahlburg in Jesteburg Anfang 1945 das Flugblatt mit rotem Untergrund und schwarzer und weißer Schrift „Erst im Westen“, „Jetzt im Osten“, DIN-A 4-Format. Auf der Rückseite sind Auszüge aus Reden von Roosevelt und Churchill abgedruckt. (Foto?) Er fand einen ganzen Sack voll und brachte ihn mit nach Hause, wo er sehr willkommen war. Es gab damals kein Papier. Die Flugblätter wurden als Toilettenpapier benutzt.

- Itzenbüttel

  • Ilse Banek, geb. Viedt, erinnerte sich an die Bombennacht genau und erzählte, dass sie und ihre Schwester Marianne von ihrer Mutter mit den Worten geweckt wurden: „Nun müsst ihr aber aufstehen, „Schulzen“-Haus brennt schon lichterloh!“ – Kurz darauf schlug eine Brandbombe durch das Pfannendach ihres Hauses und auch durch das Stroh und Heu unten in den Flur. Die Mutter öffnete die Tür und rief: „Da brennt schon alles.“ Aber Marianne, die kurz vorher an einem Luftschutzlehrgang teilgenommen hatte, erkannte, dass nur Phosphor brannte. Schnell wurde Sand herbeigeholt. Damit konnte sie die Brandbombe löschen.
  • Den Mut der Tochter Marianne im Hause Viedt, Nr. 13, verherrlicht eine andere Geschichte, die aber nicht eindeutig bestätigt wird: Eine Brandbombe war in Viedts Küche explodiert. Geistesgegenwärtig beförderte Marianne die bereits gezündete, sprühende Brandbombe nach draußen und traf damit eine frisch geräucherte Mettwurst, die zerbrach. Das brachte ihr eine Ohrfeige der Mutter Emma ein, die nur den Schaden an der kostbaren Wurst sah. Dass dort eine Wurst liegen konnte, war nicht ausgeschlossen. „Schulzen“ besaßen eine große Räucherkammer. Sie ließen einige Nachbarn aus Freundschaft in ihrer Räucherkammer räuchern. Die brennenden Schinken und Würste flogen über das ganze Dorf.
  • Dieses schaurige Spektakel ist den Älteren Bewohnern von Itzenbüttel noch bewusst. Linde Bowe, geb. Neuhaus, berichtete: Beim Brand des Wohnhauses von Otto Müller war das Feuer am Viehende des Hauses ausgebrochen und fraß sich langsam über den Dachboden in den Wohntrakt. Das Vieh verbrannte. Aber vom Hausrat konnte ein großer Teil gerettet werden.
  • Ilse Banek wusste noch, dass das erst 14 Tage alte Schlafzimmer ebenso wie die meisten Möbel dazu gehörten. Das Schreien der verbrennenden Kühe liege ihr noch heute in den Ohren.
  • Bei Hestermanns schlug, wie Linde Bowe von ihrem Elternhaus erzählte, eine Stabbrandbombe in den Südgiebel ein, durchstieß das Dach und den Boden, schlug gegen den Türpfosten und durchbohrte den Stubentisch. Sie entzündete einen Vorhang, danach brannten ein Stuhl und abgelegte Kleidungstücke. Die Bombe löschte Linde Bowe mit einem mit Sand gefüllten alten Brotkasten. Sie war erst elf Jahre alt und wurde daraufhin in der Schule in Jesteburg von Hauptlehrer Wilhelm Kretschmann mit einer Urkunde, ausgestellt vom Gauleiter Otto Telschow, geehrt.
  • Eine Luftschuttsirene befand sich auf dem Haus von Willy Meyer, Nr. 1. Ob sie ging, ist unklar.
  • Es wird erzählt, dass ähnlich wie in Asendorf in einem Haus Licht angewesen wäre. Ein Mädchen hätte schwer krank gelegen und deshalb beaufsichtigt werden müssen.
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen.