Der Jesteburger Runenstein

Ein Werk der Hexen oder gar des Teufels?

- Ein Sagen umwobenes Stück Jesteburger Geschichte

Der Stein ist an der Oberfläche 60 cm lang und 40 cm breit und mit etwa 80 aus Strichen zusammengesetzten „Zeichen“ bedeckt. Er wurde vor gut 240 Jahren vom Jesteburger Pastor Johann Gottlieb Runge in der „Höllenschlucht“ bei Seppensen entdeckt. Er glaubte in der verwitterten Oberfläche des Steines Runen zu erkennen und versuchte diese 14 Jahre lang zu entschlüsseln. Heute gilt es als wissenschaftlich erwiesen, dass die vermeintlichen Runen lediglich Auswaschungen von Materialen weicherer Substanz sind, die den Stein wie Adern durchzogen hatten.

50 Jahre nach seiner Entdeckung schrieb der Nach-Nachfolger von Pastor Runge, der Pastor Johann Christian Brügmann  „Dieser Stein ward … auf einer ziemlich bedeutenden Anhöhe, welche sich längs von der Chaussee, welche von Harburg nach Celle führt, zwischen dem Dorfe Seppensen und dem herrschaftlichen Forst Lohbergen erhebt, und zum Teil noch zu diesem Walde gehört, gefunden. Auf einem kleinen Hügel, wahrscheinlich einem Urnen- oder Totenhügel, deren es hier sehr viele gibt, lag dieser Stein, und zwar so, dass seine ebene Oberfläche, auf der sich die Figuren befinden, einige Zoll über der Erde in die Höhe stand.“

Pastor Runge ließ den Stein 1780 in seinen Pfarrgarten bringen. Kurz vor seinem Tode 1794 war er überzeugt, die „Runen“ entschlüsselt zu haben und wollte seine Erkenntnisse der gelehrten Welt bekannt machen, doch fand er bis zu seinem Tode keinen Verleger. Für seinen Selbstmord wurde dem Stein die alleinige Schuld gegeben und es spannen sich in den darauf folgenden Jahren viele Sagen um den Stein.

1909 schrieb Theodor Benecke in der „Hannoverland Monatsschrift für Geschichte“ den Aufsatz „Der Runenstein vor Jesteburg im Landkreise Harburg in Wahrheit und Sage“  über unseren Jesteburger Runenstein und die Sagen wurden 1925 in dem Heimatbuch „Zwischen Elbe, Seeve und Este“ veröffentlicht:

Aus Habgier mit dem Teufel gezockt und Glück gehabt. Die älteste Sage, die sich um den Jesteburger Runenstein rankt …
Eine Geschichte über unerfüllte Liebe, Verzweiflung, Selbstmord und Hexerei. Eine weitere Sage, die sich um den Jesteburger Runenstein rankt …
Eine Hochzeit gegen den Willen der Braut, eine Liebe ohne Zukunft, Verrat der sich Liebenden und ein Eifersuchtsdrama mit tödlichem Ausgang. Eine weitere Sage, die sich um den Jesteburger Runenstein rankt …

In den folgenden fast einhundert Jahren diente der Stein einer steinernen Ruhebank als Rückwand. 1879 wurde er dem Altertumsmuseum in Stade übergeben. Dort lag er weitere einhundert Jahre vor dem Eingang der vorgeschichtlichen Abteilung des Museums bis er 1978 von unserem Vereinsmitglied Hans Rabeler im Auftrag des damaligen Gemeindedirektors Peter Rieckmann als Leihgabe nach Jesteburg überführt wurde. Seine bisher „letzte Ruhestätte“ hat er auf dem Niedersachsenplatz vor der Zehntscheune (Samtgemeindebücherei) gefunden.

Wer war Pastor Runge?

Johann Carl Gottlieb Runge (geb. 8. März 1742 in Römstedt/Ülzen – gest. 05.06.1794). Er übte bis zu seinem Selbstmord fast 22 Jahre das Amt des Pastors in Jesteburg aus. Ursprünglich sollte er als Gehilfs-Prediger und Mit-Seelsorger seinen kranken Vater unterstützen. Doch nach dessen Tode 1772 übernahm er das stattdessen direkt das Pastorenamt. In seiner Amtszeit wurde 1782/83 das neue Pfarrhaus gebaut. Neben seinen kirchlichen Aufgaben widmete sich Runge dem Aufsuchen von Altertümern. Dabei spielte der „Runenstein“ eine wesentliche Rolle. Am Morgen des 5. Juni 1794 erschoss sich Runge mit einer Pistole.

„Ein zerrütteter Gesundheitszustand, veranlasst durch unausgesetztes nächtliches Meditieren, unregelmäßige Diät und zu eifriges Forschen auf die Steinschrift, ist vermutlich die nächste Ursache dazu gewesen“,  schreibt Pastor Heise, der ihm Ende 1794 als Pastor nachfolgte.

Pastor Runge wurde am 11.06.1794 neben seinen Brüdern auf dem Kirchhof beigesetzt.

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